Fre

19.

September

S'Albufera
Im nördlichen Teil Mallorcas liegt S'Albufera, das größte Feuchtgebiet der Balearen. 1985 erklärte man es zum Naturschutzgebiet und sicherte damit über 200 Vogelarten und einigen Reptilien sowie zahlreichen Sumpfpflanzen einen Lebensraum auf der Insel. Für Besucher steht das Schutzgebiet vom 01. April bis zum 30. September täglich von 9 - 19 Uhr und vom 01. Oktober bis zum 31. März von 9 - 17 Uhr offen. Da S'Albufera direkt ans Mittelmeer grenzt, genauer gesagt an die Bucht von Alcúdia, gibt es einen Salzwassermarschbereich und einen dahinter liegenden Süßwasserbereich im Schutzgebiet. Beide Areale haben ihre eigenen Reize und ziehen damit jeweils unterschiedliche Vogelarten besonders an.

Wer S'Albufera erkunden möchte, sollte auf alle Fälle zuerst im Besucherzentrum vorbeischauen. Dort liegen Infoblätter in mehreren Sprachen bereit, die gleichzeitig als Erlaubnis dafür gelten, das Schutzgebiet betreten zu dürfen. Auf Wunsch erklärt man Ihnen, auf welche Vogelarten Sie besonders Acht geben sollten, da die Sichtung mancher Arten etwas Besonderes ist und der Verwaltung von S'Albufera gemeldet werden sollte.

Um die Wanderung durch das Feuchtgebiet richtig genießen zu können, sollten Sie ein Vogelbestimmungsbuch, ein Fernglas, genügend Proviant und gegebenenfalls eine gute Kameraausrüstung dabei haben - Objektive mit großer Brennweite sind hierbei ein absolutes Muss. Wem es nicht zu schwer ist, der sollte außerdem ein Stativ mitnehmen. An sonnigen Tagen ist zwar der größte Teil des Naturschutzgebiets bestens ausgeleuchtet. Sitzen die tierischen Fotomotive jedoch irgendwo im Schatten, kann es mit der Belichtungszeit problematisch werden, sofern man keinen empfindlichen Film in der Kamera hat.

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Im dichten Schilf (Phragmites communis), der sich im Februar in einem einheitlichen Hellbraun präsentiert, gibt es nahezu keine Singvögel zu beobachten. Es ist allerdings keineswegs so, dass man im Winter auf jegliche Vogelsichtung verzichten muss. An den seichten Ufern der zahllosen Kanäle und Lagunen des Schutzgebiets suchten unter anderem Regenpfeifer, Blässhühner (Black Coot, Fulica atra, und etliche Watvögel nach Nahrung. Von einem Beobachtungsversteck aus können sie die scheuen Tiere beobachten, ohne sie durch unsere Anwesenheit zu stören. In dieser Beobachtungshütte befinden sich auf einer Tafel Zeichnungen der wichtigsten Arten, die in den umliegenden Gewässern vorkommen, was die Identifizierung der Spezies angenehm leicht macht. Im Schutzgebiet gibt es noch weitere Beobachtungshütten, die ebenfalls hervorragende Möglichkeiten zum Fotografieren der Tiere bieten.

Vom Besucherzentrum kommend, erreicht man nach wenigen Schritten die Beobachtungshütte. Im Schlamm der Lagune, auf die man von dort aus blicken kann, picken meist einige Limikolen und Watvögel nach eifrig nach Nahrung. Auch Möwen und etliche Enten treiben auf dem spiegelglatten Gewässer und suchen unablässlich nach etwas Essbarem. Meist hinter leichtem Dunst verborgen liegt die Bergkette Sierra de Llevant, der östliche Bergrücken Mallorcas, im Hintergrund der Szenerie. Da es sich in der Beobachtungshütte gut aushalten lässt, kann man dort so manche Stunde mit der Beobachtung teils seltener Vogelarten verbringen, sofern man Lust und ausreichend Sitzfleisch hat.

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Neben scheuen Vogelarten finden auch andere Tiere in den Schilfarealen sichere Verstecke und Brutplätze. Besonders zahlreich kommt die Europäische Sumpfschildkröte in S'Albufera vor. Vor allem in den Vormittagsstunden kann man die Tiere in den Sommermonaten an den Ufern oder in dichten Ansammlungen von Wasserpflanzen dabei beobachten, wie sie sich von der Sonne aufwärmen lassen. Das Konzert der Frösche ist im Frühling vielerorts deutlich vernehmbar, da sie im Feuchtgebiet in großer Zahl anzutreffen sind.

Die vielen Vögel, Reptilien und Amphibien von S'Albufera können nur deshalb überleben, da der Speiseplan für sie so reichhaltig ist. Sämtliche Gewässer im Feuchtgebiet sind voller Fische und anderer Wasserbewohner. In dem zum Teil brackigen Wasser der Kanäle leben unter anderem Meeräschen, verschiedene Forellenarten und Flussaale.

Die Salzwassermarsch im an der Küste gelegenen Teil S'Albuferas beherbergt hauptsächlich Binsen und Queller. Wer gern die anmutigen Seidenreiher beobachten möchte, der sollte vor allem im salzwasserhaltigen Bereich des Naturschutzgebiets Ausschau nach den Vögeln halten, da sie sich bevorzugt dort aufhalten. Aufgrund ihres weißen Gefieders fallen sie zwischen den grünen Pflanzen besonders auf und lassen sich gut beobachten.

In der Süßwassermarsch, in der vor allem Schilf und Riedgras gedeihen, tummeln sich im Frühjahr und Sommer zahllose kleine Singvögel. Vor allem im Frühling tragen die Männchen vieler Vogelarten ausdauernd ihre melodiösen Balzgesänge vor. Dabei klammern sie sich an den Halmen fest und sind im dichten Bewuchs leider nur schwer auszumachen. Die meisten der im Schilf lebenden Vögel haben ein bräunliches Gefieder, weshalb sich Arten wie der Mariskensänger (Moustached Warbler, Acrocephalus melanopogon) und der ebenfalls in S'Albufera vorkommende Seidensänger (Cetti's Warbler, Cettia cetti) meist nur am voneinander abweichenden Gesang unterscheiden lassen. Aber auch vergleichsweise bunte Singvögel wie der Grünfink (Western Greenfinch, Carduelis chloris) halten sich gern im dichten Bewuchs der Süßwassermarsch auf.

Egal, wann man das Naturschutzgebiet besucht, es lässt sich dort stets etwas Neues entdecken. Insbesondere im Frühling und Herbst sind viele Zugvögel in S'Albufera zu Gast, da sie auf ihrer langen Reise einen Zwischenstopp einlegen und sich kräftig den Bauch voll schlagen.

Versäumen Sie es auch nicht, das kleine Museum neben dem Informationszentrum zu besuchen. In diesem Museum gibt es einige informative Schautafeln sowie ein Modell des Schutzgebietes. Eine Sammlung typischer Geräusche, die man in S'Albufera hören kann, ergänzt diese Exponate. Wenn Sie die Taste "Lied eines Reisbauern" drücken, sorgt der Anblick der entsetzten bis verwirrten Gesichter anderer Museumsbesucher garantiert dafür, dass Sie sich bestens amüsieren...

Quelle: Dipl.-Phys. Gaby Schulemann
 
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